Traumatherapie

„Das Schwere leicht machen – Vertrauen wieder finden“

In der traumazentrierten Psychotherapie werden traumatisierte Menschen dabei unterstützt, wieder Vertrauen in das Leben, die eigene Wahrnehmung und die eigenen Fähigkeiten zu finden.  

Paracelsus sprach davon, dass Gott allein heile, der Arzt nur „kurieren“ könne. Eine der wichtigsten Aufgaben der TraumatherapeutIn ist, die KlientIn dabei zu begleiten, die ihr eigenen Selbstheilungskräfte  – heute spricht man auch von Resilienzfaktoren- die durch ein Trauma oft verschüttet wurden, wieder zu finden, zu aktivieren und zu stabilisieren.

Methodik

Nach dem derzeitigen Stand der Kunst werden verschiedene Methoden und Theorien in der Traumatherapie integriert. Die psychodynamisch imaginative Therapie von Luise Reddemann, die Theorie der strukturellen Dissoziation von Ellert Nijenhuis, die ego-state-Therapie nach Watkins&Watkins, die systemische Arbeit mit der inneren Familie von Richard Schwartz, EMDR und verhaltens- und körpertherapeutische Ansätze bereichern die vielschichtige und lösungsorientierte Behandlung.

Die Phasen der Traumatherapie

Die Traumatherapie umfasst vier Behandlungsphasen, die nicht statisch, sondern prozesshaft zu verstehen sind.

Phase 1: Sicherheit

In dieser Phase Sicherheit liegt der Schwerpunkt der Behandlung darauf, dass die KlientIn im Kontakt mit der TherapeutIn Sicherheit, Verlässlichkeit und Vertrauen wieder erfahren – oder im Falle von schweren Traumafolgeerkrankungen – allmählich erfahren kann.

Äußere Sicherheit

Trauma Überlebende haben Hilflosigkeit und extreme Unsicherheit erlebt. Deshalb soll die therapeutische Behandlung sich durch einen wertschätzenden, verlässlichen und klaren Behandlungsrahmen auszeichnen. Therapieziele und Therapiedauer werden zwischen KlientIn und TherapeutIn besprochen. Die TherapeutIn klärt über Symptome und Entstehung des Störungsbildes auf und schlägt Therapievorgehensweisen vor, so dass ein sicherer Behandlungsrahmen entstehen kann.

Zur äusseren Sicherheit gehört auch die Aktivierung von Unterstützung und Sicherheit gebenden Ressourcen im sozialen Netzwerk des Betroffenen. Insbesondere zählt dazu sich über mögliche schädigende Beziehungsmuster Klarheit zu verschaffen und einen stimmigen Umgang damit zu finden.

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Innere Sicherheit

Am Anfang der Behandlung gilt es, im geschützten therapeutischen Rahmen das Gefühl von Sicherheit  für den betroffenen Menschen wieder erfahrbar zu machen. Die Wahrnehmung und die Realisierung von Sicherheit in der Gegenwart ist eine wichtige Voraussetzung, um für inneren Schutz und Sicherheit für traumatisierte und dissoziative Selbstzustände (s. Traumainfo)  sorgen zu können. Dadurch können quälende und beunruhigende Zustände allmählich beendet werden

Durch flash-backs und  dissoziative Selbstzustände erleben sich Betroffene häufig wie gefangen in einem „Traumafilm“. Ein differenzierter und kontrollierter Umgang mit den beängstigenden Symptomen kann erlernt werden, wie die Unterscheidung zwischen Vergangenheit („das ist mir damals passiert“) und der Gegenwart („hier und heute bin ich sicher“).

Phase 2: Stabilisierung

In dieser Phase gilt es, Hilfreiches, Wohltuendes und Not wendendes auf zu spüren, wieder zu entdecken und zu verankern.

„Wie gehe ich mit ungebetenen Gästen um ?“

Betroffene Menschen können einen selbst bestimmten Umgang mit ihren Symptomen lernen. Es geht darum zu lernen mit überflutenden erschreckenden Bildern, negativen Gedanken und Gefühlen um zu gehen und stimmige Ablenkungs- und Distanzierungsmethoden zu finden.

Ebenso wichtig ist es, heraus zu finden, was einem Selbst und dem Körper gut tut, um sich wieder wohl zu fühlen und die eigenen Selbstheilungskräfte anzuregen.

Hilfreiche Beziehungen aufzubauen und zu pflegen, den Alltag (wieder) gestalten und strukturieren lernen sind zentrale Anliegen in dieser Behandlungsphase – besonders im Falle von komplexen Traumafolgestörungen.

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Der Dialog mit der „inneren Welt“

Mithilfe von inneren Dialog wie sie beispielsweise die ego-state-Therapie postuliert, wird in dieser Phase der Therapie behutsam Kontakt aufgenommen zur „innere. Welt“. So können   traumatisierte, oft dissoziativ abgespaltene und ebenso ressourcenvolle Selbstanteile kennen gelernt und verstanden werden.

Die Erfahrung von innerer Sicherheit, Schutz und Geborgenheit für die verletzten Selbstzustände mithilfe von innerem Dialog und Imagination (die Vorstellung von heilsamen Bildern) ist ein wichtiges Anliegen in dieser Phase der Behandlung. Zentrales Augenmerk liegt auf dem Verstehen und  dem hilfreichen Umgang mit selbst schädigenden Selbstzuständen ebenso wie dem Nutzen der ressourcenvollen Zustände.

Im Fall von schweren dissoziativen Störungen ist diese Behandlungsphase sehr vielschichtig und komplex und kann mehrere Jahre dauern.

Phase 3: Traumaverarbeitung

Wenn nach wie vor belastende Gefühle, Bilder, Gedanken, mit dem Trauma assoziierte Glaubenssätze oder Albträume ein gutes Leben verhindern oder unmöglich machen, kann mithilfe von schonenden (ähnlich einem endoskopischen Eingriff in der Medizin) spezifischen Trauma verarbeitenden Methoden traumatisch belastendes durchgearbeitet werden.

Häufig ist die Therapie schon mit erfolgreicher Stabilisierungsphase beendet. Von zentraler Bedeutung für die Traumadurcharbeitung  ist, dass die KlientIn in dieser Phase schon so stabil ist, dass sie sich selbst beruhigen und entspannen kann. Auch ist entscheidend, sich zumindest phasenweise von traumatisch belastendem Erleben distanzieren zu können und verletzte Selbstzustände (s. Traumainfo) in Sicherheit bringen zu können.

Die KlientIn entscheidet mithilfe der TherapeutIn, ob und wie eine Traumaverarbeitung erfolgen soll.

Es gibt mehrere Methoden – die eigene Wahl ist wichtig:

Die Methode des EMDR ist ausführlich unter Therapiemethoden beschrieben.

Andere Methoden  nutzen den Effekt der inneren Distanzierung, um eine bewusste Verarbeitung zu ermöglichen. Über einen gedachten Bildschirm oder eine innere beobachtende Distanz wird der Kontakt mit der traumatischen Erinnerung hergestellt.
Ziel ist, dass bislang abgespaltene Affekte, Gedanken, Empfindungen Körpererleben und Verhaltensweisen durch bewusste Verarbeitung in die Persönlichkeit integriert werden können und damit ihre Bedrohung für die Betroffenen verlieren.

Abhängig von der Schwere und der Komplexität des Traumas, können mehrere solcher Sitzungen nötig sein, die sich möglicherweise über einen längeren Zeitraum erstrecken.

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Phase 4: Integration – dem Leben eine neue Richtung geben

Hier geht es darum, in einer Rückschau die traumatischen Erfahrungen mit den dazugehörigen Gefühlen hinter sich zu lassen, das Kapitel des Buches zu schließen. So dass das ehemals Bedrohliche  als etwas Vergangenes in die Persönlichkeit integriert werden kann.

Zum Abschluss unterstützt die Therapie dabei, neue Lebensziele zu entwickeln und sich im Leben neu zu orientieren, mit den eigenen Potentialen ein selbst bestimmtes Leben zu führen.

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